Du hast beruflich einiges erreicht. Projekte erfolgreich abgeschlossen. Anerkennung von außen. Vielleicht sogar Führungsverantwortung. Und trotzdem begleitet dich ein hartnäckiges Gefühl: „Du merkst irgendwann, dass du eigentlich gar nichts kannst.“
Wenn dir das bekannt vorkommt, bist du damit nicht allein – und wahrscheinlich mitten im Erleben des Impostor-Syndroms.

Was ist das Impostor-Syndrom?
Das Impostor-Syndrom (auch „Hochstapler-Syndrom“) beschreibt ein psychologisches Muster, bei dem Menschen ihre eigenen Erfolge und Kompetenzen nicht als verdient anerkennen können. Stattdessen glauben sie, durch Zufall, Glück oder „bloßes Durchmogeln“ an ihre Position gekommen zu sein – begleitet von der ständigen Angst, als „Hochstapler:in“ entlarvt zu werden.
Typische Gedanken:
- „Andere sind viel klüger als ich – ich kann nur gut wirken.“
- „Ich war einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“
- „Ich habe die Anerkennung gar nicht verdient.“
Dabei ist das paradoxe:
Gerade leistungsstarke, engagierte und reflektierte Menschen neigen besonders häufig zum Impostor-Gefühl.
Warum? Weil sie hohe Standards an sich selbst haben – und das eigene Selbstkonzept oft nicht mit dem tatsächlichen Leistungsniveau mitgewachsen ist.
Wie erkenne ich, ob ich betroffen bin? Achten Sie auf diese Anzeichen:
- Du zweifelst an Dir, selbst nach offensichtlichen Erfolgen.
- Du arbeitest übermäßig viel, um „Fehler zu vermeiden“.
- Du kannst Lob nur schwer annehmen und fühlst Dich innerlich nicht „würdig“.
- Du vergleichst Dich ständig mit anderen – meist zu Deinem persönlichen Nachteil.
- Du gerätst in Selbstsabotage, z. B. durch Aufschieben, Vermeidung oder Rückzug.
- Du spürst eine innere Erschöpfung, weil Du ständig Leistung „beweisen“ willst.
Was steckt psychologisch dahinter?
Das Impostor-Syndrom ist tief verknüpft mit unserem Selbstkonzept – also dem inneren Bild, das wir von uns selbst haben. Dieses Selbstbild wird durch frühere Erfahrungen, familiäre Prägungen und gesellschaftliche Erwartungen geformt. Wenn wir in einem Umfeld aufgewachsen sind, in dem Leistung gleich Liebe bedeutete oder Fehler als Schwäche galten, kann sich ein chronisches Gefühl von „Nicht-genug-sein“ entwickeln.
Dazu kommen systemische Faktoren – etwa in patriarchalen, leistungsorientierten oder vergleichsgetriebenen Arbeitskulturen.
Frauen, People of Color, neurodivergente oder introvertierte Personen sind statistisch häufiger betroffen.
Wie kann Selbstcoaching helfen?
Im Unterschied zur schnellen „Selbstoptimierung“ geht es im Selbstcoaching darum, bewusst in den inneren Dialog zu gehen:
- Welche alten Glaubenssätze wirken noch in mir?
- Was davon ist heute noch wahr – und was darf ich loslassen?
- Wie möchte ich mich selbst künftig sehen, führen und entwickeln?
Durch gezielte Reflexion, Methoden aus der Selbstmitgefühlsforschung, Arbeit an Denk- und Verhaltensmustern und psychologische Tools aus der Kognitiven Verhaltenstherapie kann ein neuer, stabilerer Selbstbezug entstehen.
Es geht nicht darum, mehr zu leisten – sondern sich selbst wieder als glaubwürdig zu erleben.
Ein erster Impuls:
Führe ein Erfolgsjournal.
Notiere Dir täglich (!) mindestens eine konkrete Situation, in der Du etwas gut gelöst, Verantwortung übernommen oder mit Klarheit agiert hast.
Reflektiere nicht nur was Du getan hast, sondern welche innere Fähigkeit dabei zum Tragen kam (z. B. Durchhaltevermögen, Empathie, Analysefähigkeit).
Dieser Perspektivwechsel stärkt langfristig Dein Selbstbild – nicht durch äußere Anerkennung, sondern durch innere Evidenz.
Fazit:
Das Impostor-Syndrom ist kein Zeichen von Schwäche – sondern oft ein Indiz für reflektierte Intelligenz ohne stabile Selbstverankerung. Der Weg heraus führt nicht über noch mehr Leistung, sondern über einen bewussteren Zugang zu sich selbst.
Selbstcoaching bedeutet: sich selbst die beste "Führungskraft" zu werden.
Nicht perfekt, aber präsent.









